Der rote Hulahoop-Reifen aus Plastik war das Gefängnis, und Kerstin nannte sich Räuber Hotzenplotz. Hotzenplotz war die beste Räuberbefreierin in der Bande. Da hatte ich als Gendarm Micky – so hieß eigentlich mein geliebter schwarzweißer Kater – keine Chance. Wie ein Hase schlug sie Haken im Gras in der Blumenwiese vor unserem Haus, kraxelte blitzschnell über den Kirschbaum, der sich bereits tief unten gabelte, und hüpfte über den Bach. Dann klatschte sie Räuber Klausi ab, er war wieder frei. Räuber und Gendarm war unser Lieblingsspiel, als wir neun waren. Wir waren die Fünf Freunde, obwohl wir eigentlich nur zu viert waren. Der Letzte im Bunde, Christoph, war kein Gummihüpf-Fan. So trennte sich unsere Bande letztendlich auch.
Kerstin und ich entdeckten danach unsere Passion dafür, Dämme an dem kleinen Fluss hinter unserem Haus zu bauen. Einmal zogen wir ein altes Ofenrohr aus dem Wasser und ein riesiger grüner Aal wurde herausgeschwemmt. Da zeigte sich, dass wir doch Mädchen waren, obwohl wir so tough wie echte Räuber sein wollten: Wir ekelten uns, als die großen Nachbarsjungs dem Aal auf den Kopf schlugen, ihn in ein Handtuch wickelten und zu Hause essen wollten. Blaue Flecken, aufgeschlagene Knie, dreckige und zerrissene Hosen, sogar Platzwunden gehörten zu unserem Bandenleben einfach dazu. Wir waren halt Kinder, kleine Racker, ein bisschen wild, abenteuerlustig, unendlich neugierig auf unsere Umwelt.
Weniger als eine Stunde täglich
Sich viel bewegen, draußen herumtollen, die eigenen körperlichen Fähigkeiten austesten – das war noch vor 20 Jahren für Kinder eine Selbstverständlichkeit. „Kinder sind immer Kinder ihrer Zeit“, sagt der Sportpädagoge Dr. Dieter Breithecker, selbst dreifacher Vater. Eine umfassende Studie Ende der 1990-er, in deren Rahmen das Bewegungsverhalten von 1 000 Grundschülern aus dem Taunus unter die Lupe genommen wurde, offenbarte, dass sie sich weniger als eine Stunde täglich bewegten, dagegen aber neun Stunden saßen.
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