Gerda Obermeier
Serie im Magazin active woman: Let's dance – 1. Teil: Hip-Hop
Seit etwa 10 Jahren finden Meisterschaften statt, Tanzschulen, die Hip-Hop-Kurse anbieten, haben großen Zulauf. Immer mehr Frauen und Männer wollen tanzen wie ihre Stars auf der Mattscheibe. Positiver Nebeneffekt: Wer richtig groovt, bekommt stramme Waden.
B-Girls, Windmills, 99ers und dazu 120 beats per minute. Wer bei diesem Buchstabenwirrwarr nur Bahnhof versteht, hat vermutlich etwas verpasst. Die Rede ist von Hip-Hop.
Hip-Hop hat das geschafft, wovon andere Musikrichtungen nur träumen dürfen – der Mix aus fetten Beats, coolen Raps und hüftschwingenden Tanzchoreos hat den Olymp der Musikwelt erklommen. Nur noch vage erinnert man sich – um ein Beispiel zu nennen – an die Neue Deutsche Welle aus den 80ern. Sie und ihre Interpreten verschwanden – bis auf wenige Ausnahmen – genauso schnell wieder von der Bildfläche, wie sie aufgetaucht waren. Hip-Hop kam, sah und siegte.
Aus dem Ghetto ins Tanzstudio
Der Geburtsort der Hip-Hop-Bewegung ist das Amerika der 70er Jahre. Schwarze Jugendliche aus den Ghettos der Großstädte suchen nach einer neuen Form, untereinander Kräfte zu messen. Gewaltfrei, wohlgemerkt! Anstatt sich nämlich auf der Straße gegenseitig die Nasen blutig zu schlagen, treffen sie sich in den späten Abendstunden und beginnen zu rappen und zu tanzen – Battles nennen sie die künstlerischen Gefechte. Ihre Waffen: Ghettoblaster, Schlabberhose, Basecap und Goldkettchen. Heute ist das friedliche Stelldichein tanzverrückter Ghetto-Kids auch in Deutschland eine Massenbewegung mit einem kleinen, aber feinen Unterschied: Man duelliert sich meist nicht auf der Straße, sondern in Wettkämpfen.
Prominenteste Battle: die Hip-Hop-Weltmeisterschaft in Bremen, die größte offizielle Tanz-WM der Welt. Seit fünf Jahren sucht die Stadt im hohen Norden die Champions in den Kategorien Hip-Hop, Breakdance und Electric Boogie – als Solist oder Duo, in Gruppen, Formationen und Productions (mehr als 25 Tänzer in einer Gruppe).
Wer Hip-Hop lernen möchte, macht es einfach wie die Kids aus der Bronx: Coole Klamotten aus dem Schrank gefischt, Musik an und ab geht die Post. Alles, was Sie jetzt noch benötigen, ist eine gute Portion Fitness – denn wer richtig abgroovt, dem kann bei den vielen Jumps, Steps, Twists und Kicks schon mal ganz schön die Puste ausgehen.
Hip-Hop ist eine rhythmusbetonte, relativ freie Tanzrichtung, bei der in erster Linie der Spaß im Vordergrund steht. Vorgegebene Schritte gibt es nicht. Erlaubt ist, was gefällt. Man lässt die Knie locker, wippt mit dem Oberkörper nach vorne, zurück oder zur Seite (dadurch entsteht ein leichtes Auf- und Abbewegen der Körpermitte, auch »Bounce« genannt) und kreiert die unterschiedlichsten Schrittkombinationen – im Stand, auf dem Boden und passend zum Rhythmus der Musik.
Die Bewegungen sind weich oder hart, sehr hüft-, schulter- und körperbetont, von sportlich-dynamisch bis sexy-leger. Echte Profis bauen sogar Breakdance- und Electric Boogie-Elemente in ihre Choreografien ein.
Keine Frage des Alters
Egal ob sie noch zu den jüngeren Semestern gehören oder schon zum »älteren« Eisen zählen, Hip-Hop unterliegt keiner Altersbegrenzung. Jeder kann den Tanz lernen.
Wem allerdings die künstlerische Inspiration für selbst zusammengestellte Hip-Hop-Choreografien gänzlich fehlt, holt sich am besten Hilfe vom Profi und besorgt sich ein Workbook oder eine Work-DVD – hier werden die wichtigsten Basisschritte ausführlich erklärt – oder ist beim »Dance Instructor« in Tanzschulen und Hip-Hop-Clubs bestens aufgehoben.