Olympiasiegerin und Topmountainbikerin Sabine Spitz im Porträt
Sabine Spitz hat mit einer absolut souveränen Leistung in Peking die Goldmedaille geholt. Sie ist die herausragendste deutsche Mountainbikerin und auf allen Distanzen und Trails zu Hause. Ihre spannende Lebens- und Sportlergeschichte von Partys, Motorrädern, einer Ente namens Quack und Reiseträumen erzählt sie hier…
Eine Radsportkarriere
Schon der Ausdruck Sportkarriere weckt bei vielen die Vorstellung: Mit zweieinhalb Jahren auf dem Dreirad, mit fünf auf dem Kinderrad, mit fünfzehn auf unterschiedlichsten Sport-rädern unterwegs, selten absteigen und die Leidenschaft personifizieren. Bei der Olympia-dritten von Athen, Sabine Spitz, ist das irgendwie ganz anders. Sie wächst im Schwarzwald auf, ihre Hobbys sind das Motorrad und die Disco. Abends weggehen, Party feiern – das ist ihr Leben. Sportlich ist sie eher hobbymäßig aktiv.
Dann lernt sie den Langstreckenläufer Ralf Schäuble – wie soll es auch anders sein – in der Disco kennen. Der läuft zu diesem Zeitpunkt schon weniger intensiv, denn seine neue Liebe gehört dem Radsport, den auch Sabine bald für sich entdecken soll.
»Seit Ende 1992 sind wir zusammen. Ich war 21 Jahre alt, Ralf 27. Im Jahr 92/93 sind wir fast nur auf Skiern gestanden, da hat Ralf noch den DSV Skilehrer-Kurs absolviert und ich die Oberstufe Übungsleiter.
Im Sommer 1993 waren wir die meiste Zeit in den Bergen mit Pickel und Steigeisen unterwegs. Langsam, aber sicher hat sich dann die Gewichtung verlagert, vom Motorradfahren und Bergsteigen zum Radfahren«, erzählt sie uns im Interview. Ein Mountainbike hat sie schon, das gehört im Schwarzwald quasi zur Grundausstattung, zum Hausrat. An den Wochenenden hätte sie auch Zeit, mit Ralf zu trainieren, doch da stehen für den Wirtschaftsinformatiker Hobby-Rennen auf dem Programm. Und weil Sabine das Wettkampf-Geschehen nicht nur von außen betrachten, sondern das Feeling spüren will, beschließt sie, selbst an den Start zu gehen.
Ich habe Blut geleckt...
Ihr erstes Rennen startet in Ralfs Heimatort Niederhof, ein Wald- und Wiesen-Event im September 1994. Sabine geht ohne jegliche Vorbereitung an den Start und wird – kaum zu glauben – Letzte. »Das Ergebnis hat mich eigentlich nicht besonders enttäuscht, sondern eher motiviert. Ich bin vom Typ her recht ehrgeizig. Ich fand es toll, einen abgesteckten Kurs zu fahren, der auch technisch einiges verlangt, das hat mir Spaß gemacht. Und ich habe Blut geleckt.
Mein Gedanke: Mit ein wenig Systematik im Training und mehr Vorbereitung müsste ich im nächsten Jahr vielleicht besser abschneiden«. Dass solch ein Potenzial in ihr schlummert, konnte Sabine damals selbst nicht erahnen. Aber das sei ja bei den Hochleistungssportlern allgemein so, erklärt sie: »Viele beginnen aus Spaß mit einer Sportart und verschwenden anfangs nie einen Gedanken daran, mal ganz oben zu stehen. Man muss zu der Sportart eine Affinität entwickeln. Zielgerichtet und leistungsorientiert kann man nur dann trainieren, wenn wirklich viel Herzblut drinsteckt. Man muss den Sport sozusagen leben.«

Der Bund fürs (Sportler-)Leben
Heute lebt sie den Sport mehr als intensiv. Aber nicht nur sie allein: 1997 geben sich Ralf Schäuble und Sabine Spitz das Ja-Wort. Ralf erkennt Sabines Talent und fördert sie, wo er nur kann. »Er ist für mich alles: Trainingspartner, Berater, Manager, Mechaniker, alles in einer Person. Irgendwie gehört der Radsport einfach zu unserem Leben. Manchmal schlage ich vor, das Thema Rad am Abend außen vor zu lassen und nicht mehr darüber zu reden, aber schlussendlich bin ich es dann, die wieder davon anfängt«, schmunzelt Sabine.