Michaela Eichenseer
A Vietnamese Love StoryTeil 2
„Vietnam – the hidden charm” Lesen Sie in Teil 2, wie die Reise der beiden Mädels weiterging...
Sabines Patentochter Tran
Am nächsten Tag ist es so weit. Wir machen uns auf den Weg zu Sabines Patenkind, das 130 Kilometer nördlich von Hue wohnt. Der Besuch in dem kleinen Dorf in Quang Binh-Provinz eröffnet uns vollkommen neue Perspektiven in das Leben der Vietnamesen. Nach einer hochoffiziellen Begrüßung durch den Vorsitzenden des Volkskomitees, des Projektbeauftragen für Entwicklungsarbeit und der Frauenbeauftragten fahren wir in einer Mopedkolonne zum Haus des Patenkindes. Dort sitzen wir bald in heiterer Stimmung zusammen mit der 15-monatigen Tran, den Eltern und Großeltern auf einem runden Teppich, der auf dem blitzeblank geputzten Betonboden ausgebreitet wurde. Wer mehr über die Patenkindorganisation erfahren will, informiert sich unter www.plan-deutschland.de
Mit eigener Muskelkraft geht es zurück nach Süden zum Hai Van-Pass – mit 500 Höhenmetern ein gutes Bergtraining. Belohnt werden wir für die Mühen durch grandiose Blicke auf Sandbuchten mit blau-grünem Wasser und mit Büschen bewachsene Küstenhänge. Nach dem nervenaufreibenden Verkehrschaos von Danang und China Beach, an dem sich amerikanische Soldaten während des Vietnamkrieges erholten, erreichen wir Hoi An. Weltkulturerbe! Das kleine Städtchen mit den Tunnelhäusern war um 1600 eine bedeutende Hafenstadt, in der sich viele chinesische Händler niederließen. Die Vorbereitungen für Tet, das chinesische Neujahrsfest, laufen auf Hochtouren. Die Hausaltäre sind festlich geschmückt. Blumen, Früchte und Getränke stehen neben den Ahnenbildern.
Im Minibus geht es weiter nach Phan Rang: Unsere Tour ins Hochland um Dalat beginnt. Die Straßen sind wie leergefegt. Immer wieder sehen wir Leute, die ihr Haus putzen, denn nach vietnamesischem Glauben ist Neujahr ein Neubeginn, da sollte kein Schmutz mitgenommen werden. Als uns die Inhaberin eines Nudelshops unterwegs eine große Schüssel Pho – vietnamesische Nudelsuppe – überreicht, packt sie den vietnamesischen Standard-Fragenkatalog aus. Nach »Where are you from?« und »What‘s your name?« folgt die entscheidende Frage: »Are you married?«. Einige Tage vorher führte ein klares »Ja« dazu, dass der Mopedfahrer neben uns ganz rasch das Interesse verlor. Ein »Nein« dagegen führt heute zur spontanen Heiratsvermittlung ihres Sohnes, die wir dankend ablehnen.
Chuc Mung Nam Moi – Happy New Year!
Das neue Jahr – in Vietnam »Tet« – beginnen wir so, wie wir das alte beendet haben: mit einer großen Schüssel Pho. Gemäß dem Neujahrsbrauch kriegen wir heute jede Menge Süßigkeiten geschenkt – und die haben wir auch nötig, denn nach Duong Ran stehen 1 100 Höhenmeter an. Aus der trockenen Ebene wird bald ein Pinienwald, der mit seinem braunem Laub stark an den deutschen Herbst erinnert. Am Gipfel gönnen wir uns nochmal Nudelsuppe – zum absoluten Knüllerpreis von 25 Euro-Cent!
Duong Ran verlassen wir um 6.30 Uhr morgens – gestärkt von Nudelsuppe – und treffen auf schick gekleidete Menschen, die aus der katholischen Kirche strömen. Serpentinenreich geht es weiter bergauf, vorbei an französisch anmutenden »Chalets«. Spektakulär ist der Blick zurück, als sich die Sonne kraftvoll durch den Nebel bis zur Hochebene kämpft. Später breiten sich vor uns ziegelrote Felder aus. Immer wieder feuern uns Mopedfahrer an. Das hilft, die Passhöhe auf 1 500 Metern zu erklimmen und auch das stetige Auf und Ab der restlichen 25 Kilometer bis Dalat durchzustehen.