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Die geheimnisvolle Kraft der Mistel
Bis heute soll ein Mistelzweig Liebesglück bringen, wenn ein Paar sich unter ihm küsst. Doch die Pflanze kann noch viel mehr: Sie ist aus der modernen Medizin nicht mehr wegzudenken.
Wirksames pflanzliches Heilmittel
Kaum eine andere Heilpflanze wurde so gut erforscht wie die Mistel. Allein mehr als 600 Eiweißstoffe konnten in Blättern, Stängeln und Beeren bisher nachgewiesen werden. Dazu kommen über 1000 verschiedene Enzyme und viele weitere Inhaltsstoffe, die zum Teil in der Mistel in höher konzentrierter Form enthalten sind als in irgendeiner anderen Pflanze.
Die Liste der Beschwerden, die die Mistel lindern kann, ist lang. Sie wirkt blutstillend, entzündungshemmend, beruhigend und zugleich belebend. Schon Hippokrates berichtete 400 vor Christus, dass ein Sud aus der Pflanze den Kreislauf stärkt und den Blutdruck reguliert. Heutzutage werden bei zu hohem und auch bei zu niedrigem Blutdruck meistens Misteltropfen oder Dragees empfohlen, die es rezeptfrei in der Apotheke gibt.
Homöopathen setzen das Gewächs gegen Erschöpfung, Stress und Konzentrationsstörungen ein. Als Tee regt die Mistel Verdauung und Stoffwechsel an, lindert Wechseljahressymptome und Menstruationsbeschwerden. Äußerlich – in Form von Umschlägen oder Bädern – wirkt der Pflanzensud gegen Gelenkschmerzen und lässt Ekzeme schnell abheilen.
Auch die Kosmetik hat die Mistel wiederentdeckt: Sie wird Cremes und Lotionen beigesetzt, um den Selbstschutz der Haut vor freien Radikalen und schädlichen Umwelteinflüssen zu stärken. Eine aufeinander abgestimmte Mistel-Pflegeserie hat das Medical-Wellness-Unternehmen Weyergans High Care entwickelt: Die Timeless-Produkte enthalten neben Mistelextrakten zahlreiche weitere wirksame Pflanzenstoffe. Die Feuchtigkeitscreme kostet ca. 65 Euro und ist bestellbar unter www.weyergans.de.
Wertvoller Helfer für die Schulmedizin
Die Mistel enthält neben zahlreichen wertvollen Pflanzenstoffen auch ein schwaches Gift (Viscotoxine oder Mistelgift). Es stimuliert das Immunsystem und wirkt auf den Zellstoffwechsel. Aufgrund dieser Eigenschaften wird die Mistel seit Jahren von der klassischen Medizin begleitend eingesetzt – etwa bei rheumatischen Erkrankungen. Hierbei wird ein Mistelextrakt injiziert, das im Körper eine anti-entzündliche Reaktion auslöst und die Selbstheilungskräfte aktiviert.
Auch im Kampf gegen Krebs sind Mistelpräparate wertvolle Helfer: Sie werden begleitend verordnet und verbessern in vielen Fällen das Befinden und die Lebensqualität von Krebspatienten. Darüber hinaus können die in der Mistel enthaltenen Lektine offenbar auch das Tumorwachstum hemmen, in dem sie die Krebszellen sterben lassen und zugleich das Immun-system unterstützen. Sie sind jedoch kein Ersatz für Chemotherapie und Strahlenbehandlung, sondern eine Ergänzung.
Man unterscheidet in der Krebstherapie zwei Arten von Mistelpräparaten: phytotherapeutische und anthroposophische. Bei ersteren werden die Wirkstoffe meist isoliert eingesetzt, z. B. nur die Lektine. Im zweiten Fall wird das Präparat aus der ganzen Mistel gewonnen und erhält seine Wirksamkeit auch durch das natürliche Zusammenspiel aller Wirkstoffe.
Zudem werden die anthroposophischen Mistelpräparate nach den Bäumen unterschieden, auf denen die Pflanze wuchs. Denn dies scheint Einfluss auf das Einsatzgebiet zu haben: Die Apfelbaummistel wird oft bei Brustkrebs eingesetzt, die Kiefernmistel eher bei Haut-Tumoren. Am häufigsten wird in Deutschland das anthroposophische Präparat Iscador von Weleda verordnet, dessen Wirksamkeit in Studien nachgewiesen wurde. Nähere Informationen finden Ärzte und Patienten unter www.iscador.de und unter www.mistel-therapie.de
Misteltee selbst zubereiten
In Deutschland steht die Mistel beinahe überall unter Naturschutz und darf nicht gepflückt werden.