On the road again - Powerfrau: Die 70-jährige Gunda radelt quer durch Deutschland
Sauser hat es sich im Fahrradkorb gemütlich gemacht. Seinen Kopf hat er auf dem Rand des Korbes platziert, den sein Frauchen fürsorglich mit Handtüchern abgepolstert hat, damit er während der Fahrt bequem die vorbeiziehende Landschaft genießen kann. Sauser ist ein Rauhaardackel und 15 Jahre alt. Sein Frauchen heißt Gunda Krauss und zählt stolze 70 Jahre. Und sie hat sich ein hohes Ziel gesteckt: Mit dem Rad quer durch Deutschland zu fahren – von München bis Rügen.
Unterstützt von der Münchner Umweltschutzorganisation Green City e.V., ist die Aktion „Gunda unterwegs“ ein Projekt im Rahmen der EU-geförderten Kampagne AENEAS (Attaining Energy-Efficient Mobility in an Ageing Society = Energieeffiziente Mobilität in einer älter werdenden Gesellschaft) zur Seniorenmobilität. Ziel ist eine deutlich verbesserte Nutzung des Fuß-, Rad- sowie des öffentlichen Nahverkehrs.
Gunda tritt bei ihrem Projekt in die Pedale und will Deutschlands Radweg-Infrastruktur einem großen Praxistest unterziehen. Da sie an irreparablen Hüftproblemen leidet, kommt ein „normales“ Fahrrad für sie nicht in Frage. Stattdessen nutzt sie ein Pedelec-Dreirad namens „Easy Rider“, ein Rad mit Elektro-Hilfsmotor, der das Treten erleichtert, bei Bedarf ordentlich Rückenwind gibt und zudem ein umweltfreundliches, zukunftsfähiges Fortbewegungsmittel darstellt.
Respekt: 50 Tage ,1 200 Kilometer
Der Startschuss fällt. Es ist der 21. August 2009, Punkt 12 Uhr. Vom Münchner Marienplatz aus zieht sich ein ganzer Fahrradkorso hinaus aus der Innenstadt. Viele begeisterte Fans begleiten Gunda auf dem ersten Stück ihres Weges. Auch Münchens dritter Bürgermeister Hep Monatzeder schwingt sich nach einer kurzen Rede selbst in seinen Fahrradsattel. Die Domstadt Freising nördlich von München ist Gundas erstes Etappenziel.
Insgesamt 50 Tage ist die rüstige Münchnerin unterwegs und bewältigt beeindruckende 1 261 Kilometer. Über Nürnberg, Jena, Halle (Saale), Berlin und Stralsund erreicht sie schließlich Rügen. Dackel Sauser und Gunda rollen dabei auf einer Welle der Sympathie durch Deutschland. In den 34 „Etappenstädten“ wird sie nahezu ausnahmslos durch Stadt- und Gemeindevertreter, interessierte Bürger und Sympathisanten herzlich willkommen geheißen.
Gegen gelegentliche hochsommerliche Wetterkapriolen in Form von Regen und Kälte schützt sie sich mit entsprechender Kleidung.
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