Jedes Wochenende treibt sich Ihr Schwager seit kurzem auf dem Golfplatz herum: Er ist befördert worden. Und Golfen gehöre da nun mal dazu, sagt er. Ihre arbeitssuchende Nachbarin läuft jetzt Marathon – zumindest steht das in ihrem Lebenslauf. Bei Vorstellungsgesprächen schinde man damit gewaltig Eindruck, sagt sie. In der Firma Ihres Mannes ist für Freitag nach Feierabend nicht das kühle Bierchen, sondern die gemeinsame Laufrunde angesagt – Ziel: der städtische Halbmarathon im Frühjahr. Das fördert den Teamgeist und schafft Ausgleich, sagt sein Chef. Sportler sind fröhlich und haben mehr Biss, das sieht man gern in Personalabteilungen. Oder nicht?
Sport als Karrierebooster?
Die Medien schreien es in die Welt hinaus: Treiben Sie Sport und Sie werden Erfolg in allen Lebenslagen haben! Fitness, sportliche Leistung, eine schlanke Silhouette – danach verlangt die Gesellschaft. Man meint, gerade die Chefetagen müssten überdurchschnittlich voll von Marathonläufern, Extrembergsteigern, Ironmännern sein.
„Wenn wir eine Erhebung machen würden, wer in den Vorstandsetagen korpulent und wer weniger korpulent ist, dann würden wir wahrscheinlich auf eine Fifty-Fifty-Relation kommen.“ Dr. Jens Hohensee, Personalberater bei Kienbaum Executive Consultants, setzt ein großes Fragezeichen hinter die Annahme, dass Sport und Fitness tatsächlich die Karriereleiter zu einer Rolltreppe machen. Dabei gilt durchaus auch für das Berufsleben: „Mens sana in corpore sano (optandum est)“. Die lateinische Weisheit wird oft verkürzt zitiert, in der Langversion bedeutet sie: Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper ist wünschenswert. Wer fit, gesund und ausgeglichen ist, kommt leichter durch den Joballtag, ist belastbarer, der Geist ist wacher, die Konzentrationsfähigkeit erhöht – und die krankheitsbedingten Fehltage werden minimiert. Eigentlich ein Traum für jeden Arbeitgeber…
Und doch in der Realität weniger relevant, als man es vermuten könnte: Fachlichkeit und Persönlichkeit stehen in der Bewertungsrangliste eindeutig vor der Fitness. „Wir Personalberater schauen uns die Person ganzheitlich an. Was der Bewerber in der Freizeit macht, zum Ausgleich zur Arbeit, ist uns schon auch wichtig“, so Dr.
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