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Verena Sailer - die schnellste Frau Europas
Facts:
Geboren: 16. Oktober 1985
Wohnort: Mannheim
Beruf: Profi-Sprinterin, studiert Sportmana-gement an der Fachhochschule für angewandtes Management in Erding
Erfolge: Deutsche Meisterin 2006, 2007, 2008, 2009 und 2010, U23-Europameisterin 2007, Deutsche Hallenmeisterin 2008 und 2011, Dritte bei der Halleneuropameisterschaft 2009, Dritte bei der Weltmeisterschaft 2009 mit der Staffel, Europameisterin 2010 mit der persönlichen Bestzeit von 11,1 Sekunden
Lieblingsmusik: Elektropop
Lieblingsessen: Italienisch
Lieblingsfarbe: Türkis
Lieblingsbuch: „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ von Milan Kundera
Lieblingsreiseland: Südafrika
Motto: Wer zuletzt kommt, den bestraft das Leben!
Das Olympiastadion Lluis Companys auf dem Montjuic in Barcelona glich in dieser lauen Sommernacht im Juli 2010 einem Hexenkessel. Menschen sprangen von ihren Sitzplätzen auf, jubelten lauthals, klatschten wild Beifall, lagen sich in den Armen, warteten gespannt auf das endgültige Ergebnis-Ranking der Anzeigentafel. Auch Verena Sailers Blick wanderte hoffnungsvoll hinauf zu den großen Leuchtbuchstaben. Die anderen Läuferinnen gratulierten ihr bereits. Küsschen rechts, Küsschen links. Ein Schulterklopfer. Dann endlich, die Erlösung. Platz 1 – sie war Europameisterin. Und das mit einer persönlichen Bestzeit von 11,1 Sekunden. Verena Sailer riss die Arme in die Luft, kniete anschließend nieder und schlug überschwänglich mit der flachen Hand auf die Bahn, die ihr gerade den größten Erfolg ihrer bisherigen Sprinterkarriere beschert hatte. Sie drehte mit wehender Deutschlandflagge über den Schultern und Blumenstrauß sowie Plüschmaskottchen Barni im Arm eine Ehrenrunde durchs Stadion, ließ sich feiern wie ein Superstar – für heute war sie einer.
Auch ein halbes Jahr später denkt Verena Sailer noch gerne an ihren siegreichen 100-Meter-Lauf in Barcelona zurück, bei dem sie namhafte Konkurrentinnen auf die hinteren Plätze verwies, diesen um eine Haaresbreite den ersten Platz vor der Nase wegschnappte. Mittlerweile habe sie aber die Ereignisse realisiert und verarbeitet, erzählt uns die sympathische Bayerin. Andere Ziele stünden nun im Vordergrund, wie zum Beispiel das Erreichen des Finales der Weltmeisterschaft, die in diesem Jahr in Südkorea stattfindet. Und dafür nimmt sie auch ein hartes und tägliches Training in Kauf. Bei der Frage, ob sie im Vorfeld der EM 2010 felsenfest der Überzeugung war, dass es dieses Mal mit der Goldmedaille klappen könnte, schüttelt die 25-Jährige den Kopf. „Sicher kann man sich bei so was natürlich nie sein“, lacht sie. „Aber ich wusste, dass ich es schaffen kann, und wollte es auch.“ Druck von der Öffentlichkeit oder den Medien hatte Verena Sailer allerdings nicht verspürt. „Dieser ging ganz allein von mir aus“, sagt sie im Interview. „Aber man lernt mit ihm umzugegehen. Ich weiß, dass ich seit Barcelona in einem anderen Fokus stehe als vorher, aber das spornt mich mehr an, als dass es mich ausbremst.“ Was sie uns noch erzählte …
Es hat 20 Jahre gedauert, bis nach Katrin Krabbe eine weitere deutsche Sprinterin 100-Meter-Gold geholt hat. Sind Sie stolz darauf, das geschafft zu haben?
Natürlich bin ich stolz auf diesen Titel. Das wäre ich aber auch, wenn die letzte Europameisterin vor mir auch eine Deutsche gewesen wäre. Wir haben sehr hart und zielstrebig auf die Europameisterschaften hintrainiert und es lief perfekt.
Umso trauriger ist man dann vermutlich, wenn der anschließende Staffellauf missglückt. (Anmerkung der Redaktion: Beim letzten Wechsel von Anne Möllinger auf Verena Sailer fiel der Staffelstab zu Boden).
Der Moment war für uns alle sehr hart. Aber solche Dinge passieren nun mal leider in Staffeln, auch wenn man das ganze Jahr daran arbeitet, dieses Risiko zu minimieren.
Was geht eigentlich während eines Laufs in Ihrem Kopf vor?
Gar nichts. Wäre das der Fall, hätte ich, glaube ich, ein ziemliches Problem. Man hat zwar einen Blick, wo man sich im Feld befindet, aber bewusst denke ich nichts.
Was tun Sie dafür, um stets mental fit zu sein?
Die mentale Stärke, die ich besitze, ist zum Glück einfach da. Bewusst mache ich dafür nichts, wobei die vielen Wettkämpfe der vergangen Jahre allerdings sehr hilfreich waren.
Was hat sich nach dem Erfolg für Sie verändert?
In meinem Leben hat sich eigentlich nicht viel verändert. Natürlich hat man mehr Termine, lernt neue Leute kennen und es interessieren sich sehr viele Leute für einen. In Bezug auf die Medien ist wieder Normalität eingekehrt. Wobei vor den Deutschen Hallen-Meisterschaften in Leipzig im Februar 2011 (Anmerkung der Redaktion: Auch hier holte Verena Sailer den ersten Platz) viele Interview-Anfragen kamen. Aber gestresst fühle ich mich deswegen noch lange nicht.
Was machen Sie, wenn Sie mal nicht auf der Tartanbahn stehen?
Ich studiere Sportmanagement an der FHaM Erding im sechsten Semester, was einige Zeit in Anspruch nimmt. Der Plan B nach der Sprinterkarriere. Ansonsten verbringe ich gerne die freie Zeit mit Familie und Freunden.
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