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08.11.2010 | 13:42 h
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Frau im Job, TopNews 1

Gegen den Strom

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Wie viel Mut und Kraft braucht man, um gegen den Strom zu schwimmen? Die Taiwanerin Carol Urkauf-Chen kam 1995 nach Österreich und rettete KTM – zu einer Zeit, als sich die ganze Fahrradwelt nach Asien orientierte.

Fotos: KTM Fahrrad GmbH

Dominanz ist nutzlos. Mit Dominanz kann man Leute nicht führen“, Carol Urkauf-Chen lächelt. Die attraktive Mittfünfzigerin betrachtet liebevoll das vor ihr stehende 2011er Solus-Zeitfahrrad, ein Rad, das es ohne sie nie gegeben hätte. Auf den Tisch hauen, als Chefin erzwingen, was sie will, das wäre natürlich eine Option gewesen. Nicht für Carol Urkauf-Chen. „Die komplette Firma, alle Europa-Vertreter waren dagegen“, erzählt sie. „Wenn, dann einen Rahmen von der Stange, sagten sie, unseren Lack drauf, fertig. So würden wir 100 000 Euro Entwicklungskosten sparen.“ Mit Ausdauer und Entschlossenheit schwamm sie gegen den Strom, erklärte in vielen Sitzungen, dass KTM mit einem eigenen Zeitfahrrad seine Innovationskraft, seine Technologiekompetenz unterstreichen könnte, ja müsse.

Dass KTM Kompetenz über den Rennrädern zeigen müsse, um auch deren Image zu heben. Mehr und mehr Mitarbeiter holte sie ins Boot, mit Begeisterung arbeiteten am Ende alle für das perfekte KTM Solus. Und sie behielt Recht: 15 Mal so viele Zeitfahrräder wie gedacht wurden verkauft, der komplette Rennradabsatz stieg ebenfalls. 33 Jahre Erfahrung in der Branche zahlen sich sprichwörtlich aus.

Eine mutige Entscheidung


Als Carol Urkauf-Chen 1995 zu ihrem damaligen Mann, dem Salzburger Hermann Urkauf, nach Österreich kommt, hat sie in Taiwan mit Carol Cycle bereits einen internationalen Handelsbetrieb aufgebaut und ist an einer Rahmenfabrik beteiligt. 18 Jahre lang nennt sie die Fahrradbranche schon ihre „Familie“. „Einen Tag in der Fahrradbranche, immer Fahrradbranche“, lacht sie. Viele Firmen in Europa laufen zu dieser Zeit schlecht, die Technologien sind veraltet, das Design ist altmodisch, die Produktion zu teuer. Sie erinnert sich: „Allein aus ökonomischen ­Gesichtspunkten hätte ich nie daran gedacht, in Europa zu investieren.“

Als ihr Mann 1995 als KTM-Geschäftsführer ein Imageranking erstellen lässt, ist die oberösterreichische Radfirma – KTM steht übrigens für Kronreif, Trunkenpolz (beide Firmengründer) und den Standort Mattighofen – an hinterer Stelle zu finden.

Quelle: (active woman September/Oktober 2010)
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