Kind? Nein danke! Oder vielleicht später?
Tick, tack. Tick, tack. Wie schon so oft in letzter Zeit wälzt sich die 38-jährige Evi auch heute Nacht wieder seit Stunden in ihrem Bett hin und her. An Schlaf ist einfach nicht zu denken. Immer wieder hört sie dieses Ticken, das außer ihr kein anderer zu vernehmen scheint – nicht einmal ihr Mann Robert, der selig neben ihr schlummert. Und dann diese Gedanken, die ständig nur um dieses eine Thema kreisen. Evi spürt, wie ihr die Zeit davonläuft, immer schneller. Sie ist ja nicht mehr die Jüngste …
Früher, ja früher, da wollte sie keine Kinder. Sie hatte studiert und nach ihrem Studium sofort einen gut bezahlten Job gefunden. Sie wollte das Leben genießen, unabhängig sein. Party machen. Und nicht so werden wie ihre Freundin Sabrina, die mit ihren 23 Lenzen bereits alleinerziehende Mutter von Zwillingen war, ihren Kinderwagen zwischen Sozial- und Arbeitsamt hin und her schob und sich ständig nach einem potentiellen Vaterersatz umschaute. Auch Jochen, Evis damaliger Freund, hatte für Kinder nie wirklich was übrig. Er war ein Geschäftsmann durch und durch, lebte in den Tag hinein, steckte sein Geld in teure Autos, Uhren und Anzüge. Verantwortung für Frau und Kinder zu übernehmen, das kam für ihn nicht in Frage. Nach acht Jahren dann die Trennung, überraschend, von heute auf morgen. Er entschied sich für eine andere. Ein Jahr später trat Robert in Evis Leben. Ein Familienmensch mit viel Liebe im Herzen, ganz anders als Jochen. Der Mann ihres Lebens. Schon nach sechs Monaten heirateten sie. Das ist nun zwei Jahre her. Gleich nach der Hochzeit begann dieses ominöse Ticken und wurde stetig lauter – Tag für Tag. Ihre biologische Uhr schien sich bemerkbar zu machen. Sie war bereit für ein Kind! Und in Robert hatte sie glücklicherweise den passenden Papa gefunden. Doch die anfangs überschwängliche Freude, bald Eltern zu werden, verschwand zunehmend.
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