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Knapp bei Kasse? So haben Sie auch am Monatsende noch ein paar Euro übrig!
Sandra ist abgebrannt. Völlig pleite. Und das chronisch. Gegen Ende jeden Monats immer das gleiche Bild: Auf dem Konto herrscht Ebbe. Gähnende Leere. Der Dispo bis zum Anschlag ausgereizt. Die paar Kröten im Geldbeutel reichen gerade noch für einen kleinen Snack in der Mittagspause. Abends gibt es einmal mehr Ravioli aus der Dose.
Dabei war die 27-jährige Speditionskauffrau als Kind eher der sparsame Typ, stets mit einem guten Polster auf dem Konto und einem Sparbüchlein von der Oma ausgerüstet. Auch in ihrem Elternhaus wurde seit jeher viel Wert aufs Sparen gelegt. Im Haushalt wurde geknausert, wo es nur ging. Alle Glühbirnen wurden im Laufe der Zeit durch Energiesparlampen ersetzt. Zähneputzen unter laufendem Wasser war ebenso tabu wie Telefonieren zu den teuren Tarifzeiten. Selbst das morgendliche Duschwasser wurde eine Zeit lang in Kübeln gesammelt und zum Klospülen verwendet. Verrückt.
Und jetzt das. Diese Pleite. Hatte ihr Umgang mit Geld etwa mit Ihrer Erziehung zu tun? Hatte sie den Sparwahn ihrer Eltern vermutlich endlich satt? Wollte sie nicht länger darunter leiden und sich auch einmal im Leben etwas leisten? Kann gut sein. „Wir alle haben über Vorbilder aus unserer Familie gelernt – ob sie nun gute oder schlechte Vorbilder waren“, erklärt Dr. Petra Bock, Bestsellerautorin, Coach und Gründerin einer eigenen Coaching-Akademie in Berlin. „Krankhafter Geiz oder Verschwendung haben meist eine tieferliegende Ursache und sind häufig erlernte Muster.“ Und so tun wir es den Eltern gleich – oder handeln eben völlig entgegengesetzt.
Gemeinsam mit Martin, ihrem Ex-Freund konnte sie sich endlich alles das kaufen, was sie schon immer haben wollte. Mit ihm führte sie ein Leben in Saus und Braus, verjubelte nicht nur sein Geld, sondern auch ihren hart erarbeiteten Monatslohn – bis er sie von einem Tag auf den anderen vor die Tür seiner Eigentumswohnung setzte. Ab sofort war sie auf sich gestellt, musste sich eine neue Bleibe suchen und zukünftig selbst für Miete, Versicherungen, Lebensmittel, die teuren Termine bei der Kosmetikerin und das noch teurere Fitnessstudio-Abo aufkommen. Wenigstens hatte Omis mittlerweile prall gefülltes Sparbuch die Inneneinrichtung sowie den brandneuen schwarzen Flitzer in der Garage spendiert. Keine Frage, Martin und die Trennung hatten ein riesiges Loch in ihren Sparstrumpf gerissen. Wie sollte sie das nur jemals wieder stopfen?
Hallo Geldmanagement!
Das Konto kontinuierlich auf null, die Sparbücher und Geldanlagen restlos geschröpft – Sandra ist keine Ausnahme. Sie ist eine von vielen Deutschen, die heutzutage in die Schuldenfalle getappt sind. Laut einer aktuellen Studie des Bundesverbandes Verbraucherzentralen (VZBV) sind knapp vier Millionen Haushalte dem finanziellen Ruin geweiht. Viele geraten durch den Verlust des Jobs in finanzielle Schwierigkeiten, andere wiederum aufgrund einer Trennung, Scheidung oder des Todes des Partners. Wieder andere durch eine Krankheit oder einen Unfall. Während viele ihre Schulden bei Inkassobüros, öffentlichen Gläubigern wie dem Finanzamt oder den Stadtwerken, Versandhäusern oder Privatpersonen machen, resultieren ganze 58 Prozent aller Schulden aus Krediten, die die Banken ihren Kunden gewähren, und den dabei entstandenen immens hohen Dispo-Zinsen, die man womöglich ein ganzes Leben lang mit sich herumschleppt.
Gutes Geldmanagement ist jetzt gefragt. Denn nur so kann Sandra es verhindern, noch mehr ins Minus zu rutschen. Leichter gesagt als getan. Schließlich hat sie jahrelang ohne Ziel und Plan das Geld zum Fenster hinausgeworfen, während ihr nun die Scheinchen wie von selbst zwischen den Fingern zerrinnen. Und doch ist das flackernde Licht am Ende des Tunnels noch längst nicht erloschen. Es gibt Hoffnung … Diejenigen, die allerdings bis zum Hals in einem riesigen Schuldenberg stecken, kommen so leicht nicht wieder heraus. Schon gar nicht ohne fremde Hilfe. „Wenn einem die Schulden über den Kopf wachsen, sollte man dringend einen Termin mit der Schuldnerberatung machen. Die kennen sich aus und helfen kompetent weiter“, so Petra Bock. „Insgesamt aber ist es dann auch höchste Zeit, sich mit seinem Leben und seinen eigenen Gewohnheiten intensiv auseinander zu setzen. Das gilt immer, wenn etwas aus der Balance geraten ist.“
Fragen Sie sich doch einmal selbst: Wofür steht das Ausgeben? Ist es eine Art Frustbewältigung und Stressabbau, um dem Alltag für kurze Zeit den Rücken zu kehren? Wollen Sie vielleicht Eindruck schinden und kleiden sich daher immer nach den aktuellen Trends der Modemagazine? Oder verausgaben Sie sich vielleicht an anderer Stelle zu sehr für andere? Belohnen Sie Ihr Patenkind viel zu oft mit Süßigkeiten oder Spielzeug, wenn es gute Noten in der Schule schreibt? Oder laden Sie Ihre Freundin regelmäßig zum Essen ein, nur weil sie es sich nicht leisten kann? Vielleicht ist es an der Zeit, mehr an sich zu denken und seine sieben Sachen beieinanderzuhalten. Nicht nur, was finanzielle Dinge betrifft.
Gut auskommen mit mehr Einkommen
Geht es Ihnen auch so? Obwohl Sandra als Speditionskauffrau gar nicht so schlecht verdient, bleibt am Monatsende meist nie etwas übrig. Was sie falsch macht, wieso das Geld nicht ausreicht – Petra Bock bringt es auf den Punkt: „Es ist ganz einfach – bei Frauen ist das Einkommen zu niedrig für die eigenen Wünsche.“ Ihrer Meinung nach müsse aber gerade dieses gezielt verbessert werden, wenn man sich den unverschämt gut aussehenden roten Kaschmir-Pulli, den Wellness-Ausflug mit der besten Freundin, die neuen Designer-Treter von Jimmy Choo, das 20. Buch, das dann doch wieder nur ungelesen im Regal landet, oder andere Annehmlichkeiten auch leisten möchte.
„Wer sich ein gutes Leben wünscht, muss lernen, mehr zu verdienen. Einen anderen Weg gibt es leider nicht: entweder nerviger Verzicht oder berufliche und finanzielle Entwicklung“, weiß Petra Bock. „Das macht man, indem man sich gezielt fortbildet, verhandelt und die Bezahlung für den eigenen Job endlich ernst nimmt. Sonst bleibt es immer ein heikler Balanceakt zwischen Selbstdisziplin und unerfüllten Wünschen. Viele von uns müssen eher lernen, als erwachsene Frau endlich auch das Einkommen wichtig zu finden, statt immer am Existenzminimum herumzukrebsen. Die meisten können viel mehr erreichen, als sie sich bisher zutrauen! Eine aktive Frau zu sein, bedeutet nicht nur sich körperlich fit zu halten, sondern auch persönliche Erfolgsziele in puncto Finanzen zu haben. Meine Erfahrung mit Menschen, bei denen am Ende nichts oder wenig übrig bleibt, ist die: Sie werden sich nicht dauerhaft zum Sparbrötchen entwickeln, nur weil es die Vernunft gebietet.“
Aber auch wer sich in seinem Job pudelwohl fühlt und sich beruflich nicht verändern möchte, kann sich die wertvollen Spartipps der Expertin zu Herzen nehmen: Bei jeder Ausgabe über 50 Euro darüber schlafen und erst dann zuschlagen, wenn der Wunsch am nächsten Tag noch genau so stark ist. Sich vor Spontankäufen zurückhalten – am besten Kreditkarte zu Hause lassen –, die weder Ihre Lebensqualität verbessern noch unbedingt glücklicher machen. Sich lieber an den schönen Dingen erfreuen, die man wirklich braucht, anstatt sich ständig mit neuem Kram einzudecken. Und hin und wieder das Konto „daten“! Auch wenn der Kontostand in den Miesen ist, nicht weggucken – nur so lernt man den Umgang mit Geld.
Gutes Verhältnis zum Geld
Das möchte auch Sandra. Und sie macht Nägel mit Köpfen. Seit einiger Zeit belegt sie einen Abendkurs, um sich weiterzubilden und beruflich voll durchzustarten. Zusätzlich arbeitet sie nebenbei als Küchenhilfe in einem Bistro – nur so schafft sie es derzeit, ihr Konto wieder auszugleichen. Das teure Fitnessstudio-Abo gehört der Vergangenheit an, stattdessen geht sie nun dreimal die Woche Joggen. Das schicke Cabrio konnte sie gegen einen günstigeren Gebrauchtwagen eintauschen; den Rest der Summe hat sie sorgfältig angelegt – als Notpolster für schlechte Zeiten. Sandra hat erkannt, dass sie selbst für ihren Finanzschlamassel verantwortlich ist, nicht Martin, nicht die Eltern. „Ein gutes Verhältnis zu Geld bekommt man, wenn man die eigenen störenden Geldmuster erkennt und man sich dann bewusst mit dem Thema Geld und Finanzen beschäftigt. Unser Verhältnis zum Geld hat viel mit unserem wahren Verhältnis zu uns selbst, unserem Selbstwert und dem, was wir über unsere Möglichkeiten im Leben denken, zu tun. Wer da weiterkommt und lernt, sich selbst und sein Leben als selbstwirksame Frau zu schätzen, fängt auch an, seine finanziellen Möglichkeiten ernst zu nehmen und auszubauen“, weiß die Expertin. Sandra ist auf dem besten Weg.
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